Sailing in Greece = Chaos + Silence

Irgendwie unterscheidet sich Griechenland von allen anderen Segelrevieren im europäischen Mittelmeerraum, auch oder vor allem die Mentalität der Griechen ist anders, manchmal kommt man sich vor wie auf einem Basar im Orient, wo um alles gefeilscht wird, sei es im Restaurant um den Preis für das Menü zum Abendessen oder mit dem Vercharterer, ob man denn noch neue, ordentlich funktionierende Lautsprecher bekommt oder es noch eine Woche mit den Alten aushalten muss. Aber genau diese Sachen machen für mich auch den Charme Griechenlands aus, auch wenn es manchmal anstregend ist. Aber wenn man das Handeln versteht, macht dieses Spiel meistens doch Spaß.
Und das Revier im saronischen und argolischen Golf vor der Haustür Athens eignet sich bestens für entspanntes Urlaubssegeln und ist auch sehr gut für Einsteiger geeinget. Es gibt kleine Hafenstädtchen, wunderbare, meistens erstaunlich leere Buchten und sowenige Untiefen und Flachs, dass es ein Problem darstellt, den Crews zu erklären wie das mit der Betonnung funktioniert. Auch der Wind kommt mehr oder weniger zuverlässig, für ein paar Segelstunden jeden Tag reicht es aber eigentlich immer. Im Hochsommer bläst, zumindest im saronischen Golf, regelmäßig der Meltemi, allerdings nur mit 5 oder 6, also deutlich weniger als in den Kykladen, da er durch die Berge schon etwas gebremst wurde. Ansonsten heizt sich das Land im Laufe des Tages stark auf, und in den Nachmittagsstunden lädt eine thermische Brise, die durchaus auch mal 20 kn erreichen kann, dazu ein, die Badebucht nochmal zu verlassen und noch ein paar Schläge zu segeln. Aber selbst bei viel Wind baut sich keine große Welle auf, wodurch die Rauschefahrt noch mehr genossen werden kann.
Erreicht man dann den nächsten Hafen, ist es Zeit anzulegen. In der Regel aber nicht längsseits, sondern römisch-katholisch, also mit Buganker und Heckleinen. In manchen Häfen hat man durch Fähren und Wassertaxis viel Schwell und man ist froh darüber 1 Meter Platz zwischen Heck und Kaimauer zu haben und nicht ständig gegen die Fender gedrückt zu werden. Also rein ins Hafenbecken, eine freie Stelle aussuchen, Anker an der passenden Stelle ins Wasser schmeißen und zügig rückwarts an den Pier, da einen sonst der Wind vertreibt. Mit eine bisschen Übung klappt’s ganz gut. An der Pier stehende und schreiende Griechen, die alles besser wissen, sorgen dabei dann noch für eine angemessene Geräuschkulisse. Das große Hafenkino ist dann oft für den nächsten Morgen angesagt, v.a. in Häfen wie Hydra, die so überfüllt sind, dass man z.T. in dritter Reihe anlegt, und zwar mit Buganker. Also den Anker ins Hafenbecken schmeißen und mit dem Heck zwischen die Büge von zwei Booten. Wenn dann am nächsten morgen jeder seinen Anker hochzieht, spielen sich oft spannende Szenen ab, da die Ketten kreuz und quer im Hafenbecken liegen und über jedem Anker irgendeine Kette liegt. Und auch die großen Motoryachten bleiben davon nicht verschont. In Poros verfing sich der Anker einer 30 m-Motoryacht unter der Mooringkette von einem Schwimmsteg, ungefähr 15 m neben meinem Heck, wo wir gerade frühstückten. So gab’s schon am Morgen Unterhaltungsprogramm.
Hat man dann genug von den quirligen Häfen gibt es auch viele gut geschützte Ankerbuchten, in der oft nur ein paar Boote übernachten und ist man weit genug von Athen weg, einen wunderbaren Sternenhimmel genießen kann. Das beste aber ist einfach morgens an Deck von der Sonne geweckt werden, wenn sie langsam über die Berge steigt, und direkt vom Schlafsack aus ins Meer zu springen. Und mit ein bisschen Glück steht dann schon eine dampfende Kanne Kaffee auf dem Tisch.

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