Pirates of the Caribbean

Piraten haben wir zwar keine gesehen, auch wenn einem der ein oder andere Boatboy als solcher vorkam, aber zumindest ein paar Orte, an denen der Film gedreht wurde, standen dann doch auf der Liste für die Windward-Törns in diesem Winter, Gott sei Dank aber ist die Karibik für Segler viel mehr Segen als Fluch. BTW: „Boatboys“ sind ein teils ziemlich anstregendes Phänomen der englischsprachigen und mehr oder weinger armen (zumindest im Vergleich zum zur EU gehörigen Martinique) Windward-Inseln St. Lucia, St. Vincent, den Grenadinen und Grenada. Einerseits sind diese fliegenden bzw. motorbootfahrenden Händler sehr hilfreich, denn man bekommt von Eiswürfeln über frischen Fisch bis hin zur geführten Tour über die Insel und Hilfe beim Anlegen einfach alles von Ihnen. Allerdings wird auch keine Gelegenheit von Ihnen ausgelassen die Yachties mit vollkommen überhöhten Preisen abzuzocken. Wenn man aber dem sympatischsten Boatboy in der Bucht erklärt, dass man die nächste Zeit öfter mal vorbeikommt, und dann exklusiv mit ihm zusammenarbeitet und dieser einen im Gegenzug weniger bescheißt, kommt man gut mit ihnen klar und hat auch mit allen anderen keinen Ärger mehr.

Im großen und ganzen ging es immer zwischen Le Marin auf Martinique und Petit St. Vincent, der südlichsten Grenadinen-Insel die noch zu St. Vincent gehört, hin und her. Zwischen Martinique und St. Vincent liegt noch St. Lucia, das deutlich touristischer und entwickelter ist als St. Vincent. Auf St. Lucia gibt es eigentlich nur 3 Buchten: Rodney Bay, Marigot Bay und Soufriere mit den Pitons, dem Wahrzeichen von St. Lucia, sogar das lokale Bier wurde danach benannt. Die Rodney Bay ist ziemlich groß, jedes Jahr Ziel der ARC, gesäumt von riesigen Hotelkomplexen (zumindest kommen sie einem so vor, wenn man gerade aus den beschaulichen Grenadinen kommt) und mit einer modernen Marina in der Mitte. Ein landschaftliches Highlight ist sie aber definitv nicht. Ganz im Gegensatz dazu Marigot Bay: zwar auch touristisch, aber viel kleiner, mit ein paar Restaurants und kleinen Hotels am Ufer. Und Soufriere ist halt so wie die meisten karibischen Städtchen: von weitem bunt, von nahem dreckig, überall sind Händler und Bettler auf der Straße unterwegs, es ist laut, in den Bars wird Bier und Rum getrunken und geraucht. So als Abwechslung zu all den wunderschönen Buchten aber trotzdem auf jeden Fall willkommen.

St. Vincent lassen viele Segler links liegen und segeln direkt von St. Lucia in die Grenadinen. Dadurch verpassen sie aber einige der schönsten Buchten die es in der Karibik gibt, mit türkisfarbenem Wasser, schwarzem Strand und dichtem Urwald, der direkt daran anschließt, wie z.B. in Wallilabou Bay, die mir persönlich wegen der extrem nervigen Boatboys zwar nicht so zusagt, die aber einer der Hauptdrehorte für Fluch der Karibik war und in der sogar noch ein Teil der Kulisse von Port Royal steht und deswegen für Fans des Films ein Muss ist.
Südlich von St. Vincent beginnen die Grenadinen, die sich über 40 Seemeilen von Bequia bis hinunter nach Carrriacou, das schon zu Grenada gehört, ziehen und quasi der Inbegriff von Karibik sind: Wasser in allen Schattierungen von dunkelblau bis türkis, weiße Sandstrände an die die Brandung rollt, gesäumt von Kokospalmen, dahinter ein bißchen Dschungel und natürlich die obligatorische Strandbar für den Sundowner. Bei den Strandbars weit vorne waren auf jeden Fall Basil’s Bar auf der „Reichen-und-Schönen“-Insel Mustique, die CNN immerhin auf Platz 37 auf der Best-Beach-Bars-in-the-World-Liste setzte und die ziemlich mondän wirkende und dem Ambiente angemessen teure Beach Bar auf der Resort-Insel Petit St. Vincent. Dort kostet die Übernachtung auch mal 1700 US-$, von daher geht mondän dann auch ebenso in Ordnung wie die 15 US-$ für einen zugegebenermaßen ziemlich guten Mojito.

Das absolute Highlight sind die Tobago Cays. Auch wenn es wo anders schönere Strände, sauberes Wasser, eine farbenfrohere Unterwasserwelt gibt: Das Gesamtpaket ist hinter dem Horseshoereef einfach unübertroffen. Nachdem man in Jamesby am Strand war, vor Baradel ein paar Schildkröten angeschaut hat, auf Petit Rameau auf den Berg geklettert ist und die Aussicht genossen hat und abends beim Lobster-BBQ war, hat man eher das Gefühl im Paradies als in den Cays zu sein. Petit Tabac, den Tobago Cays vorgelagert, ist für Sparrow-Fans ein weiteres Highlight, und auch für alle anderen der perfekte Platz zum Mittagspause machen, mit weißem Strand, Palmen und einer durch ein Riff geschützte Lagune. Es ist die Insel auf der Jack Sparrow zusammen mit Elizabeth Swann ausgestzt wurde. Auf Dauer wäre es ein bisschen zu einsam, für ein paar Stunden aber einfach wunderschön. Insgesamt sind die Grenadinen ein super Segelrevier: man hat dank des Passats immer Wind, ist aber hinter den Inseln und Riffen vor der Atlantikwelle halbwegs geschützt, es scheint, mit Ausnahme des ein oder anderen kurzen Schauers, meistens die Sonne, durch die stetige Brise wird es aber nicht zu heiß, und es gibt viel Buchten und Insel zu erkunden. Eigentlich der perfekte Platz um vor dem Winter zu fliehen …

Foto: Michael Sadtler

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